Die Franco Skandinavische Station in Hald/Viborg, Dänemark

Wie eigentlich überall weltweit so wurden auch in Skandinavien zu Beginn des 20. Jahrhunderts die oberen Luftschichten mit Hilfe von Drachen erforscht.
Ziel dieser Forschungen war es die genaueren Zustände dieser Schichten zu erkennen und daraus Erkenntnisse für Wetter und Klima zu gewinnen.
Bei einem Treffen der Meteorologischen Gesellschaft in Berlin 1901 wurde auf den Vorschlag von Teisserenc de Bort beschlossen in Dänemark eine Meteorologische Station zur Erforschung der oberen Luftschichten zu gründen.
Die Lage der Station wurde so gewählt, dass sowohl das Meer mit seinen markanten Wetterbedingungen nicht weit weg ist als auch eine Station auf dem Land zu haben, damit Beobachtungen unabhängig von Schiffen machen zu können. Als Ort für eine solche Station wurde der kleine Ort Hald in der Nähe von Viborg in Dänemark ausgewählt.
Ziel war es dort möglichst viele, langanhaltende meteorologische Messungen mit Hilfe von Drachen und Ballons durchzuführen.
Dieses Vorhaben konnte bereits 1902 mit Hilfe von vielen Spenden, unter anderem aus dem Privatvermögen von Teisserenc de Bort, umgesetzt werden.
Das Gelände auf dem die Station errichtet werden sollte war ebenfalls eine Spende und wurde vom Ortsansässigen Jägermeister Krabbe kostenlos zur Verfügung gestellt.
Als Direktor der Station fungierte Teisserenc de Bort. Ebenfalls in leitender Funktion waren H. Hildebrandsson aus Schweden und der Däne Adam Paulsen, der vom Dänischen Meteorologischen Institut ernannt wurde, tätig.
Insgesamt waren an der Station ungefähr 30 Mitarbeiter Beschäftigt. Darunter waren unter anderem Tischler für den Drachenbau, Meteorologen und Mechaniker.
Die Station verfügte über 7 Gebäude. Es gab einen drehbaren Observations-/Windenturm, eine Ballonhalle, eine Drachenwerkstatt, ein Bürogebäude, eine Maschinenwerkstatt, ein Labor und natürlich das Wohnhaus des Direktors Teisserenc de Bort.
Die Station verfügte außerdem über einen Gasbehälter und eine automatisch angetriebene Drachenwinde.
Mit dem Bau der Station wurde im Frühjahr 1902 begonnen und bereits im Juli 1902 konnte der Betrieb aufgenommen werden.

Station (002)
Insgesamt wurden vom 10.Juli 1902 bis zum 13.Mai 1903 311 Aufstiege mit Drachen und Ballonen durchgeführt.
Für die Drachenaufstiege wurden Hargrave oder modifizierte Marvin Drachen von 3,3 bis 8,2 qm Größe verwendet.
Das Ziel waren möglichst lange Aufstiege mit entsprechend langen Aufzeichnungen. Der Längste ununterbrochene Aufstieg war dabei 26 ½ Stunden.
Die mittlere Höhe der Aufstiege lag bei 2500m, der Höchste war 5900m. In der Zeit eine Rekordhöhe.
Bedingt durch die häufig sehr langen und auch hohen Aufstiege war der Materialverlust entsprechend hoch.
Um die Kosten durch Drachenverluste und Beschädigungen möglichst gering zu halten wurde von der Stationsleitung eine Belohnung für das wiederbringen von abgerissenen Drachen oder verlorene Geräte ausgelobt.
Für das wiederbringen eines abgerissenen Drachen wurde eine Belohnung von 5-10 Dänischen Kronen ausgesprochen.
Parallel zu den Ballon- und Drachenaufstiegen von der Drachenstation wurden auch Aufstiege von zwei Kriegsschiffen unternommen. Es fanden insgesamt 15 Aufstiege von den Schiffen Falster und Løverørn statt.
Neben den Aufstiegen gab es auch einige Überraschungen –sowohl positive als auch negative – für die Mitarbeiter der Station.
Bereits im November 1902, kurz nach Inbetriebnahme der Station, wütete über Jütland der bis dato stärkste, registrierte Sturm. Bei diesem Sturm wurden einige Häuser der Station teilweise erheblich beschädigt.
Ebenfalls im November 1902 haben Vladimir Köppen und Richard Assmann die Station in Hald besucht. Bei dieser Gelegenheit überreichte Richard Assmann seinem Freund Teisserenc de Bort im Namen von Kaiser Wilhelm II den Roten Adlerorden II. Klasse für seine Arbeiten um die Meteorologie.
Insgesamt wurden während des knapp einjährigen Bestehens der Station insgesamt 311 Drachenaufstiege von der Station und 15 Aufstiege von Bord von Schiffen gemacht.
Als die Station im Sommer 1903 wie geplant geschlossen wurde sind alle Gebäude versteigert und abgebaut worden.
Einige der Gebäude, darunter das ehemalige Wohnhaus von Teisserenc de Bort, sind bis heute erhalten und stehen in dem kleinen Ort, einige Kilometer von ihrem ursprünglichen Ort entfernt.
Dort dienen sie bis heute als Wohnhäuser, sind allerdings natürlich komplett Renoviert und Umgebaut.
Interessanterweise wussten die heutigen Besitzer der Häuser nichts von der Geschichte ihrer Häuser, erst nach dem wir ihnen während unseres Besuchs einige Zeitungsausschnitte zeigten waren sie überzeugt.
Außerdem sollte nach Schließung der Station ein Gedenkstein erstellt werden, der an die Arbeiten erinnert. Dieser Gedenkstein ist aber nach einigen Wirren erst 1938 auf Bestreben des damaligen Leiters des Tourismusbüros fertig gestellt worden.
Auch der Gedenkstein Stein existiert noch heute und steht in der Heide nahe der Stadt Viborg.
Auf der oberen Platte des Gedenksteins steht der Name der Station während auf jedem der drei Steinstützen jeweils der Name von einem der drei Direktoren – Teisserenc de Bort, Adam Paulsen und H. Hildebrandsson – steht.

monument
Über die Arbeiten an der Franco Skandinavischen Station in Hald ist im Jahre 1904 eine Abhandlung unter dem Titel „Traveaux de la Station Franco-Scandinave de Sondages Aériens“ von Teisserenc de Bort erschienen. In dieser Abhandlung sind ua. auch Berichte von H. Hildebrandsson und A. Paulsen enthalten.
Dieser Artikel ist- in Ähnlicher Form und natürlich auf Englisch- bei der Drachen Foundation erschienen. Für einen Download hier klicken.

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